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EU-Kommissar für Umwelt Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Stella Kyriakides, die Europäische Kommission, der Europäische Rat und Svenja Schulze

Appell

Ich fordere Sie auf, die Freisetzung von Gene Drive-Organismen in die Umwelt zu verhindern und sich bei der Vertragsstaatenkonferenz (COP) der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) für ein globales Gene Drive Moratorium einzusetzen.

Warum das wichtig ist

Stellen Sie sich eine gentechnisch veränderte Mücke vor, die nur noch unfruchtbare Nachkommen erzeugt und so sich und ihre natürlichen Artgenossen ausrottet. [1]

Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse, dass der sogenannte Gene Drive von Mücken auf Schmetterlinge übertragen werden kann. In der Folge würden sich auch Schmetterlinge und andere Bestäuber ausrotten und so nicht nur Nutzpflanzen sondern ganze Ökosysteme und damit auch uns gefährden. [2]

Niemand, der die neue Technologie vorantreibt, hat eine Lösung, wie diese Risiken sicher vermieden werden können. Und trotzdem gibt es Pläne, Gene Drives auch in der Natur einzusetzen. Das Geld dazu kommt bisher vor allem vom US-Militär und der Bill & Melinda Gates Foundation. [3]

Im Vorfeld der wichtigen UNO-Tagung 2021 zur biologischen Vielfalt werden auf Expertenkonferenzen wichtige Entscheidungen getroffen. Die EU ist auf all diesen Konferenzen vertreten. Das Europäische Parlament fordert bereits die EU-Kommission und die Mitgliedsländer auf, sich für ein Moratorium auszusprechen. Eine Entscheidung des Parlaments allein reicht aber nicht aus.

Zusammen mit mehr als 200 Organisationen weltweit fordern wir ein globales Moratorium für Gene Drive, um biologische Vielfalt zu sichern und Ökosysteme zu schützen. [4] Das Moratorium sollte so lange bestehen, bis weltweit verbindliche Regeln für die folgenden Risiken und offenen Fragen gefunden sind:

  • Unkontrollierbare und nicht rückholbare Ausbreitung: Nach heutigem Wissensstand können gentechnisch veränderte Organismen nach ihrer Freisetzung nicht mehr rückgeführt werden. Ebenso wenig kann ihre Ausbreitung in Zeit und Raum begrenzt werden. Gene Drive-Organismen können Grenzen überwinden, die zwischen Staaten, aber auch geografische Hindernisse.

  • Riskante Forschung: Nach unserem Wissen wurde Gene Drive bisher nur im Labor getestet, aber selbst das ist riskant. Es genügt, wenn nur wenige Organismen entkommen, um eine genetische Kettenreaktion auszulösen.

  • Gentechnische Werkzeuge sind fehleranfällig: Die gentechnischen Werkzeuge wie CRISPR/Cas9, die in den freigesetzten Organismen aktiv sind, sind anfällig für Fehler. Unvorhergesehene Auswirkungen auf der genetischen Ebene sind daher wahrscheinlich.

  • Es ist mindestens hochgradig komplex, wenn nicht sogar unmöglich, alle ökologischen Auswirkungen vorherzusehen: Gene Drive ist so angelegt, dass es sich in natürlichen Populationen über Generationen hinweg auswirkt und dominant vererbt wird. Es kann nicht vorhergesagt werden, wie sich die Nahrungsketten verändern und wie sich das Verhalten anderer Tierarten ändert, wenn eine Art komplett verschwindet. Es gibt bisher keine Richtlinien zur Risikoabschätzung, falls dies überhaupt möglich sein sollte. Die Risiken für Mensch und Umwelt sind weitgehend unerforscht.

  • Über eine Risikobewertung hinaus ist eine umfassende Technologiebewertung erforderlich: Da die Technologie weitreichende Folgen hat und technische, ökologische, ethische, kulturelle, soziale und regulatorische Fragen aufwirft, ist eine Technologiefolgenabschätzung vor jeder Anwendung in der Natur notwendig. Auch Haftungs- und Entschädigungsregelungen sind weltweit nicht ausreichend geklärt.

  • Gene Drive kann auch für militärische Zwecke genutzt werden: Das US-Militärforschungsinstitut DARPA ist einer der Hauptförderer der Gene Drive-Forschung. [5] Die UN-Biowaffenkonvention diskutiert seit einigen Jahren, wie das Gefährdungspotenzial von Gene Drive als biologische Waffe begrenzt werden kann.

  • Weltweite Entscheidungsstrukturen fehlen: Da sich Gene Drive-Organismen weltweit verbreiten können und sollen, muss geklärt werden, wer über ihre Freisetzung entscheiden darf. Es braucht ein Gremium und einen Entscheidungsmechanismus auf globaler Ebene, in dem dies geschehen kann.


Referenzen

  1. https://www.sciencedaily.com/releases/2019/12/191219142646.htm
  2. Es gibt Erkenntnisse, dass das Bakterium Wolbachia Gene zwischen verschiedenen Insektenarten übertragen kann. Es ist also theoretisch möglich, dass ein Wolbachia-Gentransfer auch zwischen Mücken und bestäubenden Insekten stattfinden kann.
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4882834/
  3. “Die Gesamtfinanzierung für die Entwicklung von Gene Drive wird derzeit auf über eine Viertelmilliarde US-Dollar geschätzt. Der größte einzelne staatliche Geldgeber für die Gene Drive-Forschung ist das US-Militär (DARPA).”
    [“Total funding for gene drive development is currently estimated to exceed a quarter of a billion US dollars. The largest single government funder of gene drive research is the U.S. military (DARPA).”]
    https://www.etcgroup.org/content/gene-drive-files
  4. https://www.etcgroup.org/sites/www.etcgroup.org/files/files/forcing_the_farm_sign_on_letter_english_web.pdf
  5. https://www.etcgroup.org/content/gene-drive-files

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Gefahr Gene Drive

Gen Drive ist eine Gentechnologie zur Ausrottung von Stechmücken, Fliegen und Ratten. Einmal in die Natur freigesetzt, kann das Gen nicht mehr aufgehalten werden.

Die Chancen, ein weltweites Moratorium für diese neue Technologie zu verhängen, stehen gut. Dafür brauchen wir allerdings Ihre Hilfe. Spenden Sie jetzt, um das Schlimmste zu verhindern!

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